Die ev. Kirche „St. Mechthildis“ aus dem
12. Jahrhundert mit Ihren Wandmalereien.

Es werden Führungen angeboten.
Bitte anmelden bei Küsterin C. Pleitz
unter 06758 8235.

Die Malereien im Turm gehören der Spätgotik an. Bei den jetzigen Arbeiten wurde eine Inschrift freigelegt, deren Bedeutung noch nicht abschließend geklärt ist: „Uff sant johann und pauly merteler tag…“; als Jahreszahl folgt dann 1394; allerdings könnten auch vier C-Zeichen lesbar sein, sodass sich dann die Jahreszahl 1494 ergäbe.

Genauere Datierungsangaben über den Bau der Evangelischen Kirche in Niederhausen sind bisher Urkundlich nirgendwo aufgewiesen worden. Schlüsse lassen sich nur aus stilistischen Merkmalen ziehen, wobei unter anderem die gut erhaltenen Wandmalereien auf original romanischen Putz wertvolle Hinweise geben. In das 12. Jahrhundert weisen mit sicherheit folgende Bauteile der Kirche:

– das Kirchenschiff (Süd- und Nordwand; unterer Teil der Ostwand)
– der Chorbogen (in der Gotik zur heutigen Höhe aufgestockt)
– evtl. der untere Teil der südlichen Turmwand

„Bilder, wie diese Kirche sie seit ihrer spätromanischen Entstehung zeigt, verschwenden nicht viele Worte. Sie haben Zeit“.

Immer wieder treten sie jedem, der hier ein – und aus geht vor Augen. Weil ihnen lange Weile eigen ist, vertreiben sie mögliche Langeweile. Was heute nur durch raschen Wechsel und kurze Standzeit medienpädagogisch erzielt werden soll – Aufmerksamkeit und Aussage, – ist hier gültig vor die Seele gestellt durch die Sparsamkeit des Bildes, durch seine Gestalten nach feststehenden Regeln, durch die Rückführung der Bildaussage auf den springenden Punkt.

Was sehe ich neben der Abendmahlszene Jesu mit seinen Jüngern – sie fragen dies „Herr, bin ich’s?“ – westlich zum Eingang der Kirche hin, unter einer Bogenwand, die wie die gleiche hier in dem Raum auf zwei sparsam profilierten Kämpfern ruht – so nennt man diesen Sockel?

Ich erkenne noch eine Person im Halbprofil mit angewinkeltem linken Arm und einer nach unten geöffneten Hand. Sie blickt seitlich nach oben. Auf dem Kopf trägt sie eine Kronenartige Bedeckung, die in der Mitte von einer kleinen Kugel geziert ist. Unter dem Umlaufenden Reifen dieser Krone fällt halblanges Haar herab. Einige spätromanischen Majuskeln sind noch der Rest einer schriftlichen Aussage des Bildes. Entsprechend dem auffallenden Bogen verläuft diese Schrift. Hier braucht das Bild noch die Schrift – die es ja eigentlich ersetzten musste. – Oder: die Schrift ist immer Bestandteil des Bildes.

Die Ausmalung der Kirche mit romanischen Wandmalereien wurde zum größten Teil 1940 freigelegt und seither mehrfach beschrieben. Zuletzt wurde 1979/80 eine umfassende Restaurierung durchgeführt, deren Ziel vor allem in der Sicherung der Farbtragenden romanischen Putzschichten mit dem Mauerwerk lag. Auch sollten nach Möglichkeit bei falschen Übermalungen von 1940 der Ursprung wiederhergestellt werden; soweit noch vorhanden sollten Restfreilegungen erfolgen.

 

 

 

 

Im Zuge der gotischen „Modernisierung“ wurde vermutlich auch in der Südwand die beiden Spitzbogenfenster eingebrochen. Die nächst größeren Eingriffe werden im Barock stattgefunden haben: das Gebälk im Turm trägt die Jahreszahl 1724, der Sandsteinfuß der Kanzel die Zahl 1729.

Von Eberhard Klonk stammen die künstlerisch sehr gelungene bunte Verglasung der Chorfenster. Sie haben die Themen: Gott Vater – Gott Sohn – Gott Heiliger Geist ( die drei Artikel des trinitarischen Credo). Als Übergang zu dem seitlich gesetzten Fenster „Anbetung des Christenkindes“ (aus der Jahrhundertwende) gestaltete Klonk ein Fenster mit dem Thema „Abendmahl“.

Der heutige Chor ist spätgotisch neu errichtet worden. Die Restfreilegung im Chorraum ergab eine kleine, ornamentale Fläche über dem Eingang zum Chorraum mit Weihkreuz. Sie gehört in die gleiche Zeit wie die Malereien im Turm.

Wieder aufgefunden wurde auch die vermutlich spätgotische Sandsteinmensa. Sie wurde renoviert und mit neuem Unterbau als Altarplatte im Chorraum wieder aufgestellt.