Geschichte 

 

Niederhausen wurde urkundlich erstmals im Jahre 1238 erwähnt. Besiedelt war der Ort aber mit Sicherheit schon in der Römerzeit (ca. 200 n.Chr.), was durch Funde nachgewiesen werden kann. Es gehörte zum Mainzer Lehnen der Grafen Veldenz und erscheint erstmalig als „Unters Husen“ im Jahre 1238. Ab 1444 gehörte der Ort zum Herzogtum Pfalz-Zweibrücken und kam 1768 durch Abtrennung zur Kurpfalz. Niederhausen gehörte damit auch eine ganze Zeit zum Herrschaftsbereich der Wittelsbacher.

In den Zeiten der französischen Revolution wurde das Dorf von 1795 bis 1815 Frankreich angegliedert und dem neuen Kanton Kreuznach im Arrondissement Simmern des Departements Rhein-Mosel zugeteilt. Nach dem Wiener Kongress (28.05.1815) kam Nieder­hausen zu Preußen. Grenzsteine, die das Königreich Preußen vom Königreich Bayern trennten, sind noch heute an der südlichen Gemarkungsgrenze zu sehen.

 

 

In den Jahren 1926-1928 errichteten die Wasserkraftwerke Niederhausen GmbH in unmittelbarer Nähe des Dorfes ein Wasserkraftwerk (E-Werk).Das aus drei Feldern bestehende Wehr in der Nähe des ehemaligen Bahnhofes staut das Wasser an, sodass das Wasser in einem 760 m langen Kanal dem E-Werk zufließt.

Verwaltungsmäßig gehören wir nach Abschluss der rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform seit dem Jahre 1969 zur Verbandsgemeinde Bad Münster am Stein-Ebernburg. Niederhausen gehört zum Landkreis Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz und zählt 650 Einwohner.

Der Ortsgemeinde Niederhausen wurde am 5.10.1950 durch den rheinland-pfälzischen Minister des Inneren die Genehmigung zur Führung eines eigenen Wappens erteilt. Das Wappen zeigt einen blauen Rundschild mit drei goldenen Trauben und goldenen Weinstockblättern, darüber eine goldene Krone.

Es ist sicherlich wohl eines der wenigen Wappen in Rheinland-Pfalz, das den Charakter eines Weindorfes so deutlich zum Ausdruck bringt. Darüber hinaus wird damit demonstrativ dargestellt, welche Bedeutung und hervorragende Stellung dem Qualitätswein in unserer Gemeinde zukommt. Die über alles stehende Krone spielt nicht nur auf die frühere Schutzpatronin der Gemeinde und die dem ehemaligen Gerichtssiegel entnommene goldenen Krone der heiligen Mechthild an, sondern verdeutlicht eben auch die sinnbildliche Charakterisierung für das Weinbaugebiet Nahe mit dem Werbeslogan „Nahewein – Ein Edelstein“. Und der Niederhäuser Wein ist ein Edelstein unter den Naheweinen.

Lage & Struktur

119 Meter über N/N (Meeresspiegel) liegt es dort, wo die Nahe in einer reizvollen Landschaft das Vorland zum Hunsrück und das Pfälzer Bergland von­einander trennt, an einem auslaufenden Südhang unmittelbar an der auf 120 Meter Breite aufgestauten Nahe. Niederhausen ist ca. 13km von der Kreisstadt Bad Kreuznach entfernt.
Die Struktur in Niederhausen wird wesentlich von Weinbau geprägt. 12 Einzellagen verteilen sich auf ca. 142 ha Weinanbaufläche, von dieser zurzeit nur 100 ha als Rebfläche genutzt werden. Neben der herrlichen Landschaft (Weinberge, ca. 180 ha Wald und Stausee) erwartet die Besucher in Niederhausen noch einiges an Sehenswürdigkeiten: die Mechthildis-Kirche aus dem 12. Jahrhundert mit großflächigen romanischen Wandmalereien im Kirchenschiff, die vermutlich aus der Zeit zwischen 1175 und 1225 stammen und noch gut erhaltenen sind, ein kleines Weinbaumuseum, einen Weinwanderweg, sowie das Quecksilberbergwerk Schmittenstollen im Niederhäuser Wald.
Jährlich kommen tausende Besucher nach Niederhausen, um die herrlichen Wälder, die hier beschriebenen Sehenswürdigkeiten und die Freundlichkeit der Bürger zu genießen.

 

Weinbau

Der Weinbau hat hier eine alte und lange Tradition. Für Niederhausen wird der Anbau von Wein erstmals schriftlich verhältnismäßig spät in einer Urkunde vom 29.September 1402 erwähnt. Eine andere schriftliche Erwähnung des Weinbaues erfolgte im Jahre 1546. Festgehalten ist dies in einer Akte „Gültenzoll von Niederhausen“, wonach aufgrund des Landauer Vertrages von 1546 zwischen Kurpfalz und Zwei-Brücken eine eigene Zollstatt zur Verzollung des Weines für Niederhausen eingerichtet wurde. Es kann aber davon ausgegangen werden, das bereits zur Zeit der Entstehung des Ortes im 8. Jahrhundert Weinbau betrieben wurde. Aus dieser fränkischen Zeit besteht eine genauere Kenntnis über die Verbreitung des Weinbaues an der Nahe, da von dieser Zeit an einzelne Gemeinden als Reb-Orte in Urkunden aufgeführt werden. Die weitere Nennung von „Wingerten“ in anderen Gemeinden rechts und links der Nahe von Bingen bis Kirn zeigt ganz deutlich, dass das heutige Verbreitungsgebiet des Rebstockes an der Nahe bereits in fränkischer Zeit vorhanden war.

 

In den Jahren von 1949 bis 1952 wurde eine Weinbergsflurbereinigung durchgeführt. Das hierbei geschaffene neue Wegenetz von insgesamt rund 3,2km Länge bildet zusammen mit den ausgewiesenen Vorflutgräbern von rund 4km Länge die Grundlage der neuen Flurbereinigung der zur Nahe hin abfallenden Steil- und Hanglagen.
Die Maßnahmen der Flurbereinigung, insbesondere auch die Zusammensetzung des zuvor vielfach zersplitterten Weinbergsbesitzes, ermöglicht zusammen mit dem anschließenden Wiederaufbau der Weinberge mit der richtigen Pfropfrebenkombination sowohl eine Qualitätsverbesserung der Niederhäuser Weine als auch eine Senkung der Produktionskosten.
Keine Maßnahme hat die Wirtschaftlichkeit des Weinbaues so verbesser, wie die Flurbereinigung. Sie bedeutete für die Winzer durch die erreichte Modernisierung fast eine Sklavenbefreiung von den schweren Weinbergsarbeiten.

 

 

Unter den deutschen Weinorten dürfte Niederhausen mit der geologischen Vielfalt seiner Weinbergslage eine Spitzenposition einnehmen. Es sind nicht nur vier erdgeschichtliche Formationen, die die Landschaft und den Boden prägen, sondern darüber hinaus auch noch der Gesteinswechsel innerhalb jeder einzelnen Formation, der fast jeder Lage einen anderen Charakter verleiht.

Die ältesten Gesteine der Gemarkung Niederhausen, welche sich in der „Unteren Hermannshöle“ und „Am Fahr“ befinden, wurden im Oberkarbon (vor ca.300 Mio. Jahre) abgelagert. Sie wurden durch die Lemberg-Intrusion hochgeschleppt und durch die Erosion im Quartär freigeleg. Die meisten anstehenden Gesteine entsanden im „Rotligenden“ (vor 240-260 Mio. Jahre), das mit dem jüngeren Zechstein zu der Perm-Formation gehört.

Die Struktur in Niederhausen wird heute noch wesentlich von Weinbau geprägt. Der Niederhäuser Wein hat Weltruf. Für Niederhausen wurde im Jahr 1970 folgende 12 Einzellanlagen gebildet: Felsensteyer, Hermannsberg, Hermannshöhle, Kertz, Klamm, Pfaffenstein, Pfingstweide, Rosenberg, Rosenheck, Steinberg, Steinwingert und Stollenberg. Insgesamt 22 Betriebe, davon 12 Selbstvermarkter, betreiben Weinbau.

Hauptsächlich wird die Rebsorte Riesling (70%) angebaut. Auch die Rebsorten Müller-Thurgau (15%) und Silvaner (8%) sind gut vertreten. Daneben haben die Winzer sich auch den neuen Rebsorten nicht ganz verschlossen. Hier seien vor allem Kerner, Optima und Bacchus genannt. Seit einiger Zeit werden auch Rotweine (Blauer Spätburgunder und Dornfelder) mit Erfolg angebaut, um das Angebot für den Kunden zu bereichern.

Die ehemalige Staatliche Weinbaudomäne Niederhausen-Schlossböckelheim wurde im Jahre 1902 vom preußischen Staat als Musterbetrieb gegründet. Bei der Standortwahl hatten die Gründer eine glückliche Hand. Das ausnahmslos steile, felsige und wildzerklüftete Gelände, auch eine ehemalige Kupferschürfe zählte dazu, ist durch hervorragende Einstrahlungsbedingungen gekennzeichnet. Eine ausgesprochene Wärmeinsel. Doch ehe es soweit war, mussten mit Hilfe von Strafgefangenen mehrere 100 000 Kubikmeter Erde und Fels bewegt werden. Die Mühe hat sich gelohnt, Lagen mit Weltruf tragen zum Renommee des gesamten Weinanbaugebietes Nahe bei.